Funyula Vision e.V.

 Reisebericht unserer Reise nach Funyula 2010

von Friederike Ziersch (im Oktober 2010)

 

 

Am 2. September 2010 werden wir nach einem einstündigen Flug von Nairobi nach Kisumu morgends um 9.30 von dem Schulleiter Fred und seinem Assistenten Vincent vom Flugplatz abgeholt.
Nach einem größeren Einkauf für die Kinder geht es auf der Landstraße Richtung Busia.
Es ist bereits Abend, als wir, nachdem wir einige Hotels besichtigt haben , uns für das "Farm View" entscheiden und uns in dem sehr einfachen, aber ruhigen und sicheren Hotel einquartieren.
Wir machen mit unserem Fahrer aus, daß er uns am nächsten Tag früh abholt....

 Am Freitag, den 3. September ist es endlich soweit:

Wir werden zum ersten Mal unsere neue Projektschule, das St. Zachariah Education Centre, das seinen Namen Freds Vater verdankt, besuchen.
Fred holt uns mit dem Fahrer um 9.00 Uhr ab und es geht los. Erst einmal durch Busia hindurch, das nur aus einer einzigen Strasse zu bestehen scheint, die gesäumt ist von Häusern, Banken und vielen kleinen Verkaufsständen einzelner Händler.
Frauen haben am Strassenrand ihre Waren zum Verkauf ausgelegt: Tomaten, Zwiebeln, Bohnen und Reis, dazwischen laufen die Kinder herum- den ganzen Tag werden sie hier sitzen, bis sie für ein paar Schillinge verkauft haben.
Es gibt hier zahlreiche Fahrradfahrer, die alle erdenklichen Lasten transportieren, teilweise mit Teilen der Ernte unterwegs sind.
Wer ein Fahrrad besitzt, kann sich freuen, denn nun kann er seine Dienste als Kurier anbieten oder als Fahrradtaxi.
Das öffentliche Verkehrssystem ist mangelhaft, die Matatus völlig überfüllt.
Zudem haben hier in Busia, das zu den ärmsten Städten Kenias zählt, nur wenige Menschen Geld für Transportausgaben übrig.

 

Wir fahren aus Busia hinaus, auf einer mit zahlreichen Schlaglöchern und zum Schutz der Fußgänger mit Schwellen versehenen Teerstrasse Richtung Matayos. In dem kleinen Ort biegen wir rechts in einen Feldweg ein, der nun leicht bergauf in die Felder und Hügel hineinführt. Der Weg wird gesäumt von kleinen Ackern, Wäldchen und unbebauten Flächen. Wir sehen die typischen kleinen Hütten , umgeben von gepflegten Hecken als Abgrenzung, angepflockte Schafe und Ziegen am Wegesrand, hin und wieder eine Kuh.
Viele Fußgänger kommen uns entgegen, Fahrradfahrer und hin und wieder ein Mopedfahrer.
Die Menschen scheinen hier, wo es keinerlei öffentliche Transportmöglichkeit mehr gibt, viele Kilometer täglich zurücklegen zu müssen.

Nach etlichen Minuten Fahrt erreichen wir das kleine Örtchen Ganjala, wo wir in einen noch kleineren Feldweg Richtung Funyula abbiegen.


 

Endlich taucht das langestreckte Schulgebäude noch hinter Sträuchern versteckt vor uns aus.Wir biegen in die Einfahrt mit dem schönen, neuen Tor ein und halten mitten auf dem Schulhof.

Neugierige Gesichtchen gucken uns aus den türlosen Klassenzimmern entgegen, kichernd, verhalten lachend, aufgeregt.

Die Kinder haben noch Unterricht, werden aber durch unsere Ankunft sehr abgelenkt.
Fred führt uns nun in jede einzene der Klassen. Beim Eintreten wird Fred von den Kindern respektvoll mit "Good morning, Sir" begrüßt und auch er begrüßt die Kinder sehr freundlich und stellt uns jeder einzelnen Klasse vor.
Ich freue mich so, endlich die Gesichter zu sehen, die ich schon von den Fotos her kenne und tatsächlich- ich kann viele der bekannten Namen zuordnen, was die Kinder wiederum sehr lustig finden. 

Wir sehen uns das Gelände an. Rechts neben dem langestreckten Schulgebäude liegt die Schulshamba, die noch unbebaut, oder frisch abgeerntet erscheint und ein kleiner Weg führt geradeaus zu Freds kleinem, bescheidenen Haus. Links neben dem Haus ist ein weiterer kleiner Bau, in dem sich der Generator und sein Büro befinden.
Hinter dem Schulgebäude ist eine Mudhütte, die als Küche dient und die bereits im Bau befindlichen neuen Klassenzimmer.
Es entstehen nun zwei Klassenzimmer, die den Auflagen der kenianischen Schulbehörden genügen, erzählt uns Fred. Der Maßstab der Klassenzimmer muß bestimmten Werten entsprechen und dem kommt er mit dem Neubau nun entgegen.
Weiterhin plant er, die Zwischenwand von zwei der alten Klassenzimmern zu entfernen, um dieses damit zu vergrößern.

 

Bald haben die Kinder Pause und stürmen aus den Klassenzimmern.
Wir werden umringt und bestaunt, zaghaft berührt und von allen Seiten bedrängt.



Ich setze mich in den Schatten und habe im Nu eine Traube Kinder um mich rum, ich frage nach ihren Namen und erzähle ihnen von Deutschland und von ihren Paten, die an sie denken.
Sie sind sehr schüchtern, antworten kichernd und zaghaft auf meine Fragen und wollen mich nur ansehen und alle versuchen, möglichst nahe an mich ran zu kommen.

Nach einiger Zeit wird mir der Andrang dann doch etwas viel, zusätzlich ist es ja noch über 30 Grad heiß und ich flüchte in Freds und Vincents Büro. 

Das Büro ist der Dreh-und Angelpunkt der Schule.
Dort ist eine kleine Bank, auf der die Eltern warten, die ihre Kinder anmelden wollen oder zu Besprechungen kommen.
Hier sind die beiden gespendeten Nähmaschinen, an denen die Uniformen und im Shop bestellte Alltagskleidung genäht werden soll.
Hier hat Vincent seinen Arbeitsplatz, an dem er Listen erstellt und verwaltet, Bios für uns schreibt und alle Anfragen der Eltern, Lehrer und Kinder entgegennimmt.



Nach kurzer Unterredung im Büro lädt Fred uns in sein Haus ein, um dort bei einem kleinen Essen unsere Gespräche fortführen zu können...

Wir gehen den kleinen Weg an der Schule vorbei zu Freds idyllisch gelegenem Häuschen. Er hat einen Ausblick wie ein König über sein Königreich in das Tal hinein und ein kleines Gärtchen mit Hühnern.
Er lebt hier mit seiner jungen Frau und seinem kleinen Sohn Obama, der seinen Namen zu Ehren des amerikanischen Präsidenten, der aus der Gegend um Kisumu stammt, trägt.

Fred erzählt uns, daß er sehr dankbar und glücklich über die Unterstützung unserer Organisation ist. Alleine mit diesen Einkünften jedoch könne er den Schulbetrieb und vor allem den Bau der neuen Klassenzimmer nicht bewerkstelligen. Er besitzt einen Betrieb, der Ziegel herstellt und bringt aus diesen Einkünften viel Geld in das Budget der Schule ein.

Er berichtet auch von der Schwierigkeit der Menschen hier, ihre Lebenskosten zu bestreiten.


Die Ernten der kleinen Felder, die meisten Menschen besitzen, reichen vielleicht 3 Monate (von September bis November). Bereits im Dezember stehen die meisten Familien vor der Situation, daß die Ernte aufgebraucht ist und nichts mehr zu essen im Haus ist.


Die Monate des Hungers dauern an bis Juli/August und werden Monat um Monat immer schlimmer.

Daher suchen sich die Männer und Frauen Jobs als Hilfsarbeiter auf den Feldern reicherer Leute, meistens Städter, die nur zu Weihnachten einmal kommen, um nach ihrem Besitz zu sehen.
Hier können sie für einen ganzen Tag Arbeit 50 Schillinge verdienen, das sind umgerechnet 50 Cent.
Oft liegen die Felder , auf denen sie arbeiten, sehr weit entfernt, teilweise bereits entlang der Strasse nach Busia. Daher müssen sie lange Fußmärsche in Kauf nehmen oder die Arbeit denen überlassen, die ein Fahrrad besitzen.
Denn öffentliche Transportsysteme gibt es hier nicht.

 


Mittlerweile hatten die Schulkinder ihr Schulessen bekommen und durften nach Hause gehen, denn noch war ja Ferienzeit und daher nicht so lange Schule wie sonst.
Wir beschlossen, zum Abendessen nach Busia ins Blue York Hotel zu fahren und dort unsere Unterhaltung fortzuführen.

Mir war schon den ganzen Tag aufgefallen, mit wieviel Herz und Engagement Fred, die Lehrer und auch ganz besonders Vincent arbeiteten. 

Der Umgang mit den Kindern ist liebevoll und bestimmt und der zu den Müttern verständnisvoll und freundlich.
Ich habe mehr als einmal mitbekommen, daß Vincent einer hungrig wartenden Mama mit Kind sein Essen gab, das man für ihn bereitgestellt hatte. Und ich weiß, daß er zwar freies Mittagessen bekommt, aber für alles weitere selbst aufkommen muß und sein Gehalt ist klein.

Vincent war bereits in Emuk als Gärtner beschäftigt. Fred und er sind zusammen aufgewachsen und entfernt miteinander verwandt. So entschloss sich Vincent, Freds Angebot, in der neuen Schule als Assistent zu arbeiten, anzunehmen.
Er hat viel Gefühl für seine Arbeit, ist kompetent und gebildet.

Boaz ist ein sehr junger Lehrer, er hat erst vor kurzem sein Studium beendet und unterrichtet nun mehrere Klassen in einzelnen Fächern (Einzelheiten zu den Lehrern und Fächern in den Interviews). Auch er ist sehr motiviert und nett.

In der Schule herrscht eine familiäre Atmosphäre und das ist der Grund, warum sich die Kinder hier wirklich wohlfühlen.

Das Abendessen war fröhlich und die Gespräche interessant, wenn auch die Freude an dem Essen etwas litt, nachdem wir einige Schaben die Wände herunterlaufen gesehen hatten ;-)

Irgendwann fuhr uns Ben dann zum Farmview und wir verabschiedeten uns bis Montag. Denn am Samstag war die Schule geschlossen und unser Besuch wäre daher sinnlos gewesen.
Ich freute mich auf das Wochenende, an dem ich sowohl meine Patenkinder aus Funyula, als auch die aus Emuk eingeladen hatte.

 Am Samstag und Sonntag verbrachten wir zwei Spielenachmittage mit meinen Patenkindern aus Emukhunzulu und Funyula (und deren Geschwistern) im Hotel. Das Hotel hat eine schöne Gartenanlage mit Tischen zum Picknickmachen und sogar ein Feld zum Fußballspielen!
Wir alle hatten so viel Spaß zusammen, es war einfach eine Freude, den Kindern aus Funyula zuzusehen, wie glücklich und unbeschwert sie beim Spielen waren.

 

Am Montag, dem 6. September brachen wir bereits früh nach Funyula auf, um die für diesen Tag geplante medizinische Untersuchung der Kinder dokumentieren zu können.

Unterwegs hatten wir jedoch eine Reifenpanne, kein Wunder bei den steinigen Wegen und so verbrachten wir eine Stunde kostbarer Zeit auf dem Feldweg. 
Ben und einige schnell herangeeilte hilfreiche Passanten wechselten den Reifen und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen.

Als wir endlich auf dem Schulhof ankamen, warteten die beiden Ärzte und Fred bereits ungeduldig auf unser Kommen.
Zwei Klassenzimmer wurden als Untersuchungsräume vorbereitet, eines für die Augenuntersuchung und eins für die allgemeine Untersuchung.
Die Kinder wurden klassenweise aufgerufen und dann nacheinander in die Untersuchungsräume geschickt.
Die Diagnose wurde in ein für jedes Kind extra angelegtes Reportheft eingetragen, damit langfristig der Gesundheitszustand eines jeden Kindes nachvollzogen werden kann.

Der Allgemeinarzt untersuchte die Kinder auf Würmerbefall, Ringelflechte,Hautkrankheiten, Unterernährung und Vitaminmangel, er untersuchte ihre Münder, die Fußsohlen, den Bauch, die Beine.

Bei den meisten Kindern wurde Würmerbefall festgestellt (3/4 der Schule) und sie wurden sofort medikamentös behandelt. Sehr viele haben Ringelflechte und Hautkrankheiten (offene, eitrige Stellen an den Beinen), die durch Pilzbefall hervorgerufen werden.
Häufig waren auch bakterielle Augenentzündungen und Augenreizungen durch den überall vorhandenen Staub.

Fred erhielt eine Liste der benötigten Medikamente, die er am nächsten Morgen besorgen wollte.

 

 

Wir übergaben dem Augenarzt die mitgebrachten Brillen (ca. 2 kg). Einige übergab er den betroffenen Kindern direkt und den Großteil nahm er mit, um passende Gläser einsetzen zu lassen.
Bei ca. 20 Kindern wurde Fehlsichtigkeit diagnostiziert.

Während der medizinischen Untersuchung fanden Aufnahmegespräche mit den Eltern künftiger Schüler statt.
Heute war ja Beginn des 3. Term und Gelegenheit für neue Kinder, in der Schule aufgenommen zu werden.
Ich bekam unmittelbaren Einblick in das Aufnahmeverfahren und vor allem in die Lebensverhältnisse einiger Familien.

Die erschütternden Schicksale von den Betroffenen selbst zu hören, ist eine ganz andere Erfahrung, als die Berichte nur zu lesen.
Es berührte mich und machte mich so betroffen und traurig, zu hören, in welcher Hoffnungslosigkeit und Elend viele Menschen leben.


Armut, Vernachlässigung, Alkohol und Gewalt ist eine Spirale, die mit großer Kraft alles nach unten zieht.
Der Bau der Schule setzt Hoffnung in die Menschen dieser Region und gibt ihnen Mut, dieser Energie entgegenzuwirken.

Mama Teresa stellte sich und ihre Enkel vor. Sie spricht gut Englisch und ist eine sehr warmherzige, gebildete Frau, mit der wir uns später noch länger unterhalten haben.

Da Mama Teresa auch Krankenschwester ist, hat sie viel Erfahrung im Umgang mit Kindern und Müttern.
Sie erzählt, daß viele Mütter im Kindbett sterben. Sie haben kein Geld für Medikamente oder einen Besuch im Krankenhaus.
Viele Kinder sterben an Malaria und Durchfallerkrankungen.
Es fehlt an Aufklärung bezüglich Hygiene und an medizinischen Einrichtungen in für die Menschen erreichbarer Nähe.

Auch Aids Prevention ist ein Thema. Ab Klasse 5 kommen extra eingeladene geschulte Lehrer an die Schule, um die Kinder über die Gefahren und die Verhütung von Aids aufzuklären.
Auch unsere 5. Klasse soll nächstes Jahr über Aids Prevention aufgeklärt werden.

Während des ganzen Tages nähten die drei Frauen, die sich um die Stelle als Schneiderinnen an der Schule beworben hatten, zur Probe an Uniformen.



Dieser Tag endete mit einem kurzen Regenguß, der die erdigen Wege in Schlammpisten verwandelte.
Der Regen ist jedoch zu kurz und nicht ergiebig genug, die Pflanzen zu tränken. Es herrscht hier Wasserarmut - Wasser ist ein kostbares Gut.

 

Am Dienstag , dem 7. September erledigte Fred alle benötigten Einkäufe.Um die Ananas für die Ananasspende zu kaufen, fuhr er extra über die Grenze nach Uganda, da die Früchte dort um die Hälfte billiger sind.


Auch die Bananen kaufte er ein, sowie die Medizin, die bei der ärztlichen Untersuchung verschrieben worden war.
Während Fred noch einige wichtige Dokumente kopierte, die wir für unsere Vereinsunterlagen benötigen, besorgte ich noch im Supermarkt Buntstifte und Papier für alle Kinder der Schule.
Da heute auch die Geschenkübergabe der Paten geplant war, wollte ich gerne den Kindern, die nicht bedacht wurden, ein paar Stifte und Papier schenken.
(Fred entschied sich aber später, die Stifte den Lehrern zu übergeben, die diese dann den Kindern zum Malen aushändigten).

Endlich fuhren wir wieder los Richtung Funyula.
Als wir ankamen, brannte die Sonne bereits heiß vom Himmel herab.
Die Einkäufe wurden verstaut, die Ananas bis Donnerstag in dem kleinen Lagerraum ausgelegt.
Heute sollten die Kinder zunächst die schnell verderblichen Bananen bekommen.

Einkaufen ist für Fred mit Schwierigkeiten verbunden. Denn er besitzt kein Auto und muß daher bei größeren Einkäufen einen Pickup ausleihen- Kosten, die er nur einmal im Monat tragen kann. Daher soll es die Obstspende nur einmal im Monat geben.

Inwischen war der Arzt gekommen, um den Kindern die verschriebene Medizin auszuteilen.
Ich fragte ihn nach seiner Einschätzung, was den Gesundheitszustand der Kinder betrifft. Er meinte, drei Viertel der Kinder hätten Wurmerkrankungen.
Diese Behandlung ist einfach und auch nicht teuer. Wurmerkrankungen werden mit einmaliger Tablettengabe behandelt und diese Entwurmung sollte einmal im Jahr wiederholt werden.


Sehr viele Kinder sind mit Ringelflechte (ringworms) infiziert. Die Behandlung dieser Krankheit erstreckt sich über drei Monate und ist teuer (ca. 15 Euro insgesamt), da mehrere Tuben Creme und desinfizierende Lotion gekauft werden muß.
Fred braucht sein Budget, das ihm für die medizinische Untersuchung gespendet wurde, nun erst einmal auf, um die Kinder zu behandeln.
Die Kinder leiden an Vitaminmangel, Jiggers (das sind Parasiten, die über den infizierten Boden in die Fußsohlen wandern), Hefepilzerkrankungen der Haut (auch durch mangelnde Hygiene und unzureichende Ernährung ausgelöst) und eitrige Pusteln.
Der Arzt wird nun kontinuierlich an die Schule kommen, bis alle Kinder ausreichend behandelt wurden.

Eigentlich hatte ich gehofft, die Patengeschenke abends übergeben zu können, wenn ein Teil der Kinder bereits nach Hause gegangen war. 
Doch dicke Wolken deuteten auch heute wieder auf ein nahendes Unwetter hin und so entschloß sich Vincent und Fred, die Übergabe der Geschenke gleich nach der Lunchausgabe zu machen.
Die Kinder freuten sich sehr über ihre Post und begaben sich gleich anschließend in ihre Klassenzimmer, um ihrer Patin oder Paten zurückzuschreiben.
Die Kinder ohne Paten malten Bilder oder schrieben ebenfalls ein paar Zeilen, so daß zukünftige Paten möglicherweise gleich mit einem Brief begrüßt werden können.

Ich konnte unter den Kinder keine Regung von Neid entdecken, auch waren diejenigen, die nichts bekamen nicht augenscheinlich traurig. Sie schienen es gleichmütig hinzunehmen, wendeten sich einfach wieder ihren Spielen zu und tobten mit dem Ball über den Schulhof.


Einige Kinder, die etwas bekommen hatten, gaben die neuen Sachen sofort den anderen Kindern zum Ansehen, alle schienen sich einfach zu freuen, daß es Geschenke gab.
Ich hatte ein paar Spielsachen dabei, die ich einigen der bedürftigsten Kinder geben konnte und dachte kurz daran, wie voll die Kinderzimmer meiner Kinder an Spielzeug sind, die sie teilweise gar nicht mehr mögen.
Hier ist die geringste Kleinigkeit etwas ganz Großes.

Am Nachmittag wurden dann die Bananen übergeben und ich hatte die Gelegenheit, wieder einige Fotos zu machen.
Die Kinder lieben Obst, es ist in der Gegend ein Luxus, Obst zu bekommen. Denn das Geld , das die Familie hat, wird hauptsächlich für Grundnahrungsmittel, wie Ihr sie aus dem SOS Kit kennt, ausgegeben. Nur wenige Familien haben in ihrer kleinen Shamba Obstbäume und eine Banane kostet 5 KSH, also 5 Cent.



Ich besprach mit Fred die Zusammensetzung des SOS Kits. Dem Paket Obst zuzufügen, ist leider nicht möglich, da jedes Obst so schnell verderblich ist. Aber es fehlt auch an Proteinen, die ja in Bohnen enthalten sind. Da wir Hygienepakete in unser Sortiment im Shop aufnehmen wollen, lag es nahe, dieses im Lebensmittelpaket durch die proteinreichen Bohnen zu ersetzen.
Viele Familien pflanzen auf ihrem Feld Sukumawiki, eine Art Spinat, der als Beilage zu Grieß gegessen wird.

Am Abend folgten uns Fred, Vincent und Boaz für eine Besprechung und gemeinsames Abendessen in das Blue York Hotel, in dem ich auch Zugang ins Internet haben konnte.
Wir besprachen u.a. die von den Paten gewünschten Erweiterungen des Shopangebots, die Preise und Anfertigung der Zivilkleidung, die Möglichkeiten der Familienhilfen.


Es stellte sich heraus, daß ein Fahrrad für viele Familien der Schlüssel dazu ist, ein besseres Leben führen zu können.
Mit dem Fahrrad können nicht nur Kinder, die einen weiten Weg haben, zur Schule gefahren werden, sondern auch die Eltern transportieren damit ihre Ernte zum Markt. Sie haben bessere Chancen, eine Arbeit zu finden, da ihr Bewegungsradius um einiges größer ist.
Daher empfinde ich es als gute Idee, das Fahrrad als Hilfe zur Selbsthilfe in das Shopsortiment zu integrieren.

 Am Mittwoch, dem 8.9. 2010 brachte unser Fahrer Ben uns pünktlich zur Schule.
Für heute hatten wir uns vorgenommen, alle Kinder der Schule zu fotografieren.
Ich wollte ein Ganzkörperfoto und ein Porträtbild machen- das sind bei über 200 Kindern über 400 Bilder.
Den Kindern machte die ganze Prozedur Spaß, einige waren schüchtern, aber die meisten fanden es lustig, vor allem, wenn ich ihnen auf dem kleinen Monitor der Kamera das Foto zeigte :-)

Nach einer kurzen Pause begaben wir uns in das Office, wo bereits einige Eltern und Großeltern darauf warteten, von uns interviewt zu werden.
Vincent war ein excellenter Interviewer und nach ein paar Stichworten führte er das Interview perfekt.

Der Donnerstag , der 9. September 2010 war unser letzter Tag an der Schule.
Ben plante, am Freitag, vor unserer Rückfahrt nach Kisumu, die Achsen des Vans richten zu lassen und das Auto durchsehen zu lassen.
Die felsigen Wege haben ihm schon sehr zugesetzt.
Einen normalen PKW kann Fred sich in Zukunft unmöglich anschaffen. Diese Wegen können nur von Geländewägen bewältigt werden.

Auf der Fahrt zur Schule wurde mir noch einmal bewußt, welche riesigen Strecken die Menschen hier zurücklegen müssen, um zur Arbeit zu kommen, in eine der anderen Schulen zu gehen oder nur den Markt oder das nächste Geschäft zu besuchen.

Für heute hatten wir uns noch viel vorgenommen, denn wir mussten all das vollenden, was wir bisher nicht geschafft hatten.

Die letzten Gespräche und Interviews wurden geführt und ich versuchte noch einmal, soviel wie möglich zu fotografieren. 
Immer, wenn ich mit meiner Kamera erschien, waren sofort (meistens die gleichen) Kinder um mich herum, die mit "me, me" - Rufen versuchten, meine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Oft wollte ich ein schüchternes Kind fotografieren, doch bevor ich das umsetzen konnte, standen schon einige andere Kinder davor und verdeckten die Sicht! 

Wenn ich zurückdenke, dann kann ich sagen, daß mich die Kinder in Funyula am meisten berührt haben. Sie sind , da sie so abgeschnitten von der zivilen Welt leben, einerseits so unschuldig und ursprünglich in ihrem Wesen und gleichzeitig bereits so von der Not und den Sorgen gezeichnet, die zu tragen ja eigentlich Aufgabe des Erwachsenen ist.


Sie sind so hungrig nach allem, besonders nach Zuwendung und jeder Art von Anregung.

Irgendjemand brachte eine Trommel und Eugen fing an, wunderschön zu trommeln und sofort tanzten, sangen und klatschten die Kinder zusammen (davon gibt es ein Video hier auf der Website)!


Viele Erwachsene hatten sich unter dem für uns errichteten Vordach versammelt.
Bereits an den Tagen vorher hatte Fred mich gebeten, ein paar erklärende Worte an die Eltern und Großeltern der Kinder zu richten.
Denn jemand beschuldigte Fred, er würde Patenschaften "verkaufen", d.h. wenn ein Kind die Option hätte, gesponsert zu werden, würde Fred dies gegen Geld an ein anderes Kind verkaufen.
Manche hatten den Sinn und das Konzept unserer Organisation noch nicht genau verstanden.

Ich erklärte den Erwachsenen daher erst einmal den Aufbau und das Konzept unserer Organisation.
Das Prinzip von Patenschaften und die Rolle der Paten, Mitarbeiter und vor allem, die Rolle von Fred.
Ich sagte ihnen, daß wir Fred voll und ganz unterstützen, ihm vertrauen und unser Bestes geben, zu erreichen, daß die Kinder versorgt werden und die Schule weiter ausgebaut werden kann.
Doch auch in Deutschland müssen wir hart für unser Geld arbeiten und viele Paten müssen Einsparungen in Kauf nehmen, um ihr Patenkind unterstützen zu können.

Ich erklärte ihnen auch eindringlich, daß wir ihre Unterstützung brauchen, damit ihr Kind eine bessere Zukunft haben kann.

Denn nur, wenn das Kind zuhause die Möglichkeit hat, zu lernen, wenn es gut behandelt und nicht geschlagen wird, wenn es genug zu essen bekommt und in einer sauberen Umgebung großwerden kann, dann fruchten auch die Bemühungen der Paten und Patinnen.


Wir ziehen mit den Eltern am gleichen Strang in der Bemühung, den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

Fred schloss den Elternnachmittag mit einer kleinen Rede und wir alle beteten zusammen.
Dann fingen die Eltern an zu singen und einige Mütter und Großmütter gaben mir Geschenke, worüber ich mich sehr gefreut habe (einen geflochtenen Korb, einen Mörser, einige Avokados und ein paar handgemachte Besen, die jetzt meine Wand schmücken  ).
Es waren wirklich freudige Augenblicke, die ich nicht vergessen werde.



Anschließend wurde zuerst die Ananas und dann die Bestellungen übergeben.
Ich nutzte die Zeit, um noch viel zu fotografieren.
Es braute sich schon wieder ein Regenguß zusammen und so schnürten die Eltern und Großeltern schnell ihre Bündel und traten mit ihren Kindern den Heimweg an.

Als es dann losschüttete, flüchteten wir ins Office, wo wir mit Consolatas Großmutter und ihren Enkeln, Pauls Mama und Geschwistern und einigen anderen Kindern und Erwachsenen zusammensaßen, uns unterhielten und gemeinsam lachten und Spass hatten.

Es regnete und hagelte sogar sehr stark und ich fragte Vincent, ob die Menschen nun glücklich wären über den Regen oder ob er die Ernte möglicherweise beschädigen würde.
Vincent antwortete, daß dieser Regen ein Segen sei und daß die Menschen hier sagten, daß er käme, weil wir Weißen hier seien. Denn daß wir (in Vertretung unserer Organisation) hier seien, wäre ein Segen.

Glücklich und erschöpft, aber auch mit dem Gefühl, nicht alles vollendet zu haben, was wir uns vorgenommen hatten, traten wir den Nachhauseweg an.
Ich wäre so gerne noch einige Tage geblieben und hätte Zeit gehabt, die Kinder besser kennenzulernen und mit ihnen zu spielen. Ich hätte ihnen gerne noch mehr gegeben.

Aber das ist ja auch nicht meine Aufgabe alleine, sondern die unserer gesamten Patengemeinschaft. Nur zusammen schaffen wir es, dauerhaft etwas in Funyula zum Besseren zu wenden.

Die Menschen dort sind so liebenswert und unglaublich dankbar, daß nun "Licht in ihr Dunkel" (wie sie sagen) kommt. 
Der Bau der Schule wird als Beginn zu einem besseren Leben der gesamten Gemeinschaft angesehen, als Chance, die die Jugend nun hat und sich auf die gesamte Gemeinde auswirken wird.


Was wir hier in den 9 Monaten unseres Bestehens bewirkt haben, ist unbeschreiblich.
Es ist nicht an rein Materiellem zu messen, sondern an der Hoffnung, die wir den Menschen zurückgegeben haben.


                                                                 -ENDE-